Nähere Beschreibung des Objekts
Erbaut 1912 bis 1913 im Stil des Historismus. Kirchweihe am 06.07.2013. Erbauer war die Pfarrei Herz-Jesu mit Hilfe der Direktion der Zeche Neumühl - Sach- und Finanzhilfe. Die Kirche besteht aus dem Mittelschiff und 2 Seitenschiffen. Sie bietet Platz für ca. 500 Personen. Die Kirche hat 2 Türme und wird deshalb auch ”Schmidthorster Dom” genannt. Sie ist ein sehr gut besuchtes Gotteshaus und Wahrzeichen für den Stadtteil Neumühl. Nutzung als kath. Gotteshaus und für Konzerte. Aufnahme in die Denkmalliste am 08. März 1985 Baudenkmal ZA 11.
Bisherige Sanierungen
Die Fenster des Schmidthorster Doms
Der damalige Pfarrer Schürmann begeisterte sich 1954 so sehr für die Chorfenster der Halterner St.
Sixtus-Kirche nach dem Entwurf des Künstlers Ludwig Baur, dass er am liebsten genau diese gehabt
hätte. Ein Anliegen, dem der Künstler eine klare Absage erteilte und stattdessen zwischen 1955 und
1957 für den Schmidthorster Dom gänzlich andere Fenster entwirft. Der gebürtige Freisinger Ludwig
Baur (1904–1977), Telgte/Westfalen, gehört in den 1950er und 1960er Jahren zu den gefragten
Künstlern, wenn es um die Ausstattung einer Kirche mit Glasfenstern oder Mosaiken, aber auch mit
Fresken und Kreuzwegen, sowie Altären und liturgischem Gerät geht. Allein im Bistum Essen stattete
er über 40 Kirchen aus.
Für die Fenster im Chor und im Kirchenschiff entwickelt der Künstler ein Flammen- bzw. Blättermotiv,
ausgeführt in kostbarem Echtantikglas und in aufwendiger Bleiverglasung. Mit den Bleiruten „malt“
der Künstler die Umrissform. Besonders an hellen und sonnigen Tagen erzeugen die handgefertigten
bunten Gläser mit ihrem Blättermotiv wunderbare Lichtreflexe im Kirchenraum. Etwas anders wirkt
das Flammenmotiv der Chorfenster: Die leuchtend roten und blauen Glasscheiben, symbolträchtige
Farben für Gottesnähe und Gottesliebe, beleuchten den Chorraum nur gedämpft.
Ein besonderer Blickfang sind die Fenster des Querschiffes. Vor einem netzartigen Grund erscheinen
Fische in der Seitenansicht, die sich alle Richtung Chorraum zu bewegen scheinen. Der Fisch ist seit
Beginn des Christentums das Erkennungszeichen der Christen und zugleich ein Symbol für Jesus
Christus.
Die Kunsthistorikerin Michaela Herkenroth-Hußmann aus Münster forscht im Rahmen einer
Dissertation zum Künstler Ludwig Baur und arbeitet den künstlerischen Nachlass wissenschaftlich
auf. Für die Erstellung des Werkverzeichnisses macht sie immer wieder Ortsbesuche, um sich
persönlich mit den Ausstattungsstücken bekannt zu machen. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei
vor allem den ornamentalen Fenstern, deren künstlerischer Wert oftmals nicht erkannt wird. Der
Schmidthorster Dom wird indes seit inzwischen über 70 Jahre durch sie auf besondere Weise
geschmückt. Im Jahr 2020 wurde eine alte Fensteröffnung reaktiviert und in einem feierlichen
Gottesdienst einweiht. Eines der Fenster des Gelsenkirchener Künstlers Jonny Lucius (* 1930) aus den
1950er Jahren, dass er für die inzwischen abgerissene Meidericher Kirche St. Matthias erstellte, hat
so ein neues Zuhause gefunden. Die nun nebeneinander liegenden Fenster verdeutlichen wie
unterschiedlich die Künstler dieser Zeit Ornamente gestalteten.